26. Club-Whisky-Tasting "20-jährige zum 20-jährigen"

Club-Event 13. Juli 2026

2026 ist das Jahr, in dem der malt’n’more Whisky Club Waldbronn sein zwanzigjähriges Bestehen feiert. Ganz klar, dass wir diesen besonderen Anlass bei unserem 26. Club Tasting mit ganz außergewöhnlichen Whiskys gewürdigt haben und zwar mit Abfüllungen, die selbst schon zwei Jahrzehnte Reifezeit hinter sich hatten. Die sieben Whiskys kamen zwischen 2002 und 2005 ins Fass und wurden nach jeweils rund 20 Jahren zwischen 2022 und 2025 abgefüllt. Genau die richtige Besetzung also für ein Tasting der Extraklasse am 4. Juli in den Räumen des Schwarzwaldvereins in Waldbronn.

Glücklicherweise ist die Leidenschaft für guten Whisky nicht der einzige Grund, warum sich die Mitglieder des Clubs in schöner Regelmäßigkeit zusammenfinden. Das „’n more“ in unserem Clubnamen steht ja bekanntermaßen stellvertretend für alles, was gut ist und das Genießerherz höherschlagen lässt. Und glücklicherweise sind vier unserer Clubmitglieder nicht nur gut darin, alles, was gut ist, zu konsumieren, sondern können auch ganz außergewöhnlich Gutes auf den Teller zaubern.

Marcus Winter, Philipp und Jannik Bucher sowie Gerhard Mößner widmen sich mit Leidenschaft und großem Talent der Kochkunst. Die Kreationen, mit denen sie uns immer wieder verwöhnen, sind stets genial. Was sie sich jedoch, unterstützt von Armin Steinke, anlässlich des 20-jährigen Clubjubiläums ausgedacht haben, war an Kreativität und Originalität kaum zu übertreffen. Es fing schon damit an, dass das Brot, das mit selbstgemachter Kräuterbutter zum ersten Whisky, einem Glentauchers, gereicht wurde, aus Meran stammte – von Ralfs dortigem Lieblingsbäcker. Ein Biss in die knusprige Kruste und es war klar: Der Weg über die Alpen bis in den Nordschwarzwald hat sich gelohnt. Das Brot war fantastisch (und die Kräuterbutter auch).

Zum Benrinnes, einer Single-Cask-Abfüllung, gab’s ein Pastinakensüppchen im Glas, kreativ verfeinert mit Bratapfel, „weil der Whisky das auch in den Tasting Notes hatte“, wie uns Marcus erklärte. Klar, warum auch sonst würde man im Juli Bratapfel reichen?

Mit der Begleitung zum Old Pulteney entführte uns das Küchenteam nach Japan. Mit ihrem hervorragend gelungenen Chawanmushi mit Thunfischtatar, Kaviar und Shiitake-Pilzen hätten unsere Hobbyköche in jedem Gourmet-Restaurant für Furore gesorgt.

Dass Marcus nicht nur hervorragend kochen, sondern auch richtig gut Brot backen kann, bewies er mit seiner Brotkreation, auf der er Pastrami, Pecorino und Feigensenf reichte. Ein „Wurstbrot der Extraklasse“, begleitet von einem Tomatin aus dem 1st Fill Marsala Cask.

Halbzeit. Trinkpausen brauchten wir keine.

Mit einem Glen Scotia aus dem 1st Fill Bourbon-Fass ging es weiter. Und spätestens jetzt wurde allen klar: Wir waren in den Händen von echten Freaks. Ess-Stäbchen und Glückskekse (laut Marcus „nicht japanisch, aber ich wollte die unbedingt“) waren die Vorboten einer sehr gelungenen Schale Ramen mit Dashi, Gemüse und Ajitama. Ob es nun unterhaltsamer war, die Nudeln mit den Stäbchen aus der Brühe zu fischen oder die Sprüche aus den Glückskeksen zu deuten, sei dahingestellt. Die Kochkunst, die in dieser Suppenschale steckte, war jedenfalls der Knaller.

Nach so viel Dashi, Gemüse, Ajitama, Glückskeks-Weisheiten und Stäbchenakrobatik war dann doch ein kleiner Neutralisationsgang vorgesehen. Trinkpause brauchten wir zwar immer noch keine, aber ein Yuzusorbet nahmen wir natürlich trotzdem gerne. Frisch, fein, zitrisch und genau richtig, um den Gaumen wieder auf Empfang zu stellen. Denn was nun folgte, klang schon auf dem Papier nach einem kleinen dramatischen Auftritt: Dark Side of Islay.

Der „SEAGRAVE“, ein Blended Islay Malt, brachte Rauch, Tiefe und ordentlich Charakter ins Glas. Dazu servierte das Küchenteam Rinderfilet mit Gerste und dunkler Jus. Und spätestens hier war klar: Das war kein nettes Essen zum Whisky, das war echtes Pairing mit Plan. Die Gerste griff das Whisky-Thema charmant auf, das Rinderfilet brachte Kraft und Eleganz auf den Teller, und die dunkle Jus verband alles zu einem dieser Momente, in denen am Tisch erst einmal auffallend wenig gesprochen wurde. Nicht etwa, weil es nichts zu sagen gegeben hätte. Sondern weil alle beschäftigt waren. Mit Genießen.

Zum Abschluss wartete ein Ballechin aus einer 1st Fill Port Pipe auf uns. Als Menüpunkt stand dazu schlicht „Süßer Abschluss“ auf dem Programm. Was dann kam, war jedoch weit mehr als ein süßes Finale: eine Mousse au Chocolat nach einem alten Brigitte-Rezept von Mama Bucher. Mehr Understatement ging kaum. Nach Brot aus Meran, Bratäpfeln im Juli, japanischem Eierstich, Wurstbrot deluxe, Ramen, Yuzusorbet und Rinderfilet auf Islay-Kurs setzte diese Mousse einen herrlich nostalgischen, cremig-schokoladigen Schlusspunkt. Der Ballechin brachte mit Portfass, Rauch und dunkler Frucht noch einmal alles mit, was ein würdiger letzter Dram braucht. Und was die Kochkünste angeht, kann Mama Bucher kann definitiv stolz auf ihre Jungs sein!

„Ihr seid ja echte Freaks“, „genial“, „ein Highlight der Extraklasse“ – die begeisterten Superlative, mit denen die kulinarischen Werke gelobt wurden, überschlugen sich an diesem Abend völlig zurecht. Was bleibt von diesem 26. Club Tasting? Ganz sicher die Erinnerung an sieben großartige Whiskies, die ihrem Anlass absolut gerecht wurden. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Abend, an dem einmal mehr spürbar wurde, was malt’n’more seit zwanzig Jahren ausmacht: gute Whiskies, gutes Essen, gute Gespräche und Menschen, die mit Leidenschaft, Humor und beeindruckend viel Liebe zum Detail gemeinsam genießen können.

Ein riesiges Dankeschön an Marcus, Philipp, Jannik, Gerhard und Armin für diesen kulinarischen Wahnsinn. Das war nicht Begleitung. Das war großes Kino auf Tellern, in Schalen und im Glas.

Auf die ersten zwanzig Jahre. Und auf alles, was noch kommt. Slàinte!

Ein Bericht von Katharina Löffler mit Bildern von Löfflers, vielen Dank !

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