Der 20. Geburtstag des malt’n’more Whisky-Clubs
Es ist Dienstag, der 18. August 2026. Nach einem Rekordsommer, der uns nahezu drei Monate Trockenheit und außergewöhnliche Hitze bescherte, regnete es endlich einmal wieder. Ausgerechnet am 20. Geburtstag des malt’n’more Whisky-Clubs Waldbronn. Was eigentlich als Grillfest unter freiem Himmel mit Ofyr, mitgebrachtem Grillgut und Salaten geplant war, wurde kurzfristig in ein Scheunenfest im Lindenbräu umgemodelt. Es hat dem Anlass keinerlei Abbruch getan. Mit Dach über dem Kopf und Lindenbräu-Infrastruktur optimal versorgt, war die Stimmung bestens.
Malt’n’more hat aktuell ca. 115 Mitglieder. Damit sind wir einer der großen nicht-kommerziellen Vereine, worauf wir wirklich stolz sein können. Circa 50 davon, darunter neun der ursprünglich zwölf Gründungsmitglieder, waren gekommen, um den Clubgeburtstag gemeinsam zu feiern. Mit besonderen Veranstaltungen wie einem Dinner auf Islay im Mai, einem außergewöhnlichen Tasting mit „20-Jährigen zum 20-Jährigen“ im Juli und einem festlichen Jubiläumsdinner samt hochkarätigem Tasting im Schwitzer‘s, steht das gesamte Jahr 2026 bereits im Zeichen des zwanzigjährigen Club-Bestehens. Am Jahrestag der Gründung war natürlich Zeit für Reden, Rückblicke, Anekdoten, Ehrungen und viele Erinnerungen.
Wie feiert man nun 20 Jahre Whisky-Club gebührend? Mit Whisky, Dudelsack, Irish Folk und guten Gesprächen. Für Whisky war wie immer ausreichend gesorgt. Ganze sechs Flaschen besten Single Malts stellte der Club zum freien Bedienen bereit. So hatte sich auch jeder längst mit ein paar Drams versorgt, als Patrick mit seinem Dudelsack einmarschierte und den offiziellen Teil des Abends eröffnete. Gänsehaut-Feeling und ein perfekter Einstieg für Ralf, der direkt die Stille nach dem letzten Aufseufzen der Bagpipe nutzte, um sein Amt als Speaker des Clubs wahrzunehmen.
Wie war das eigentlich am Gründungstag vor 20 Jahren, als damals zwölf Personen auf die grandiose Idee kamen, einen Verein zu gründen, der sich der Welt des Whiskys, der Kulinarik und allem, was eben sonst noch dazugehört, verschrieb (daher in weiser Voraussicht auch die Wahl des Clubnamens „malt’n’more“ – man wollte sich ja schließlich nicht einschränken)?
Es war eigentlich wie immer. Man hatte sich in Manfred Buchers Küche zum gemeinsamen Kochen verabredet. Lamm solle es geben, und Erdbeeren. Und für die Erdbeeren wurde ein besonderer Whisky gebraucht. Den sollte Ralf besorgen. Also fuhr dieser von Etzenrot zu sich nach Hause und wählte einen 18jährigen Talisker, mit dem er direkt zurück zu Manfred nach Etzenrot fuhr. Kaum angekommen, wurde er sofort wieder losgeschickt, denn es fehlten noch die Erdbeeren. Eilfertig zog Ralf also erneut los, um auch diese zu besorgen. Doch nachdem er drei oder vier Supermärkte erfolglos durchkämmt hatte, beschloss er umzukehren. Erdbeeren fielen aus. Was für Ralf allerdings ebenfalls ausfiel, war sein Talisker: Der befand sich inzwischen nicht mehr in der Flasche, sondern in den in Etzenrot Verbliebenen. Schon nicht mehr ganz so amüsiert fuhr Ralf also zum dritten Mal los, um aus seinem Regal einen weiteren Whisky zu holen, einen Laphroaig, mit dem er sich dann sicher auch recht schnell auf den Pegel der anderen gebracht hat.
Als er die 20 Jahre Whisky-Club Revue passieren ließ, betonte Ralf, was für ihn stets im Vordergrund stand. Nicht der Whisky, nicht nobelpreisverdächtige Tasting Notes (am Ende des Berichts ein absolut lesenswertes Beispiel), es sind ganz klar und mit Abstand die Freundschaften, die er in dieser Zeit mit so vielen Menschen schließen konnte. Damit sprach er sicher allen Anwesenden aus der Seele.
Natürlich schwingt in einer Retrospektive auch eine Portion Wehmut mit. Manfred Bucher, in dessen Küche der Gründungsabend stattfand, ist vor vier Jahren von uns gegangen. 16 Jahre lang hatte er den Club in seiner Rolle als „Speaker“ begleitet und geprägt. Ihm und auch Peter Zimmermann, der ebenfalls viel zu früh verstorben ist, wurde mit einem stillen „Slàinte“ gedacht.
Damit die Erinnerungen an die Menschen, Erlebnisse und Feiern des Whisky-Clubs für alle erhalten bleiben und für jedes Mitglied einsehbar sind, haben Roland Löffler, Philipp und Jannik Bucher gemeinsam einen digitalen Zeitstrahl entwickelt, den alle, die im Mitgliederbereich angemeldet sind, durchstöbern können. Ganz herzlichen Dank dafür! Der Zeitstrahl lebt von den Bildern und Club-Geschichten jedes Mitglieds und Ralf rief alle dazu auf, mehr eigene Bilder beizusteuern und hochzuladen, damit der Zeitstrahl nach und nach möglichst vollständig wird.
Mit einer Urkunde zur 20jährigen Club-Mitgliedschaft wurden anschließend die neun verbliebenen Gründungsmitglieder geehrt:

Thilo Schumacher, Ralf Störzbach, Monika Schneeberger, Tobias Gann, Hellmut Brunner, Daniel Becker, Bernhard Schulze, Stefan Schneeberger, Gerhard Mössner
20 Jahre malt’n’more Whisky-Club Waldbronn. Aus ursprünglich zwölf sind weit über 100 Mitglieder geworden. Aus dem gemeinsamen Interesse für das Wasser des Lebens sind viele Freundschaften entstanden. Und was an diesem Jubiläumsabend deutlich zu spüren war, ist dieser Spirit, der uns alle verbindet – und damit ist nicht allein der Whisky gemeint. „Wir sind Familie“, „Wir haben großes Glück“. Das hörte ich an diesem Abend immer wieder. Wenn an den Tischen gemeinsam gelacht und Erinnerungen geteilt wurden. Wenn wir einfach still den Songs von Desmond Kelly lauschten, einen guten Dram in der Hand. Und immer wieder dieses Gefühl: Hier bin ich genau richtig. Als Teil der malt’n’more-Familie.
Auf die nächsten 20! Slàinte!
Nachstehend die nobelpreiswürdigen Tasting-Notes des 1986er Glengoogle:
Tasting-Notes des 1986er Glengoogle
Nase:
Zunächst erstaunlich zurückhaltend. Reife Birne, etwas Heidehonig und ein Hauch feuchtes Eichenholz. Dahinter öffnet sich langsam eine komplexere Aromatik von altem Leder, Bienenwachs und dem Innenraum eines 1987er Volvo, der über Nacht im Regen stand.
Mit etwas Zeit im Glas kommen angebrannte Rosinen, nasser Tweed und die Erinnerung an eine frisch geöffnete Schublade im Arbeitszimmer eines pensionierten schottischen Landarztes hinzu. Ganz hinten eine kaum wahrnehmbare Spur von WD-40.
Gaumen:
Überraschend ölig. Dunkles Karamell, geröstete Walnüsse und kandierte Orangenschale gehen über in Möbelpolitur, Pfeifentabak und den Deckel einer alten Werkzeugkiste. Dazu etwas Torfrauch, leicht verbrannter Toast und eine bemerkenswert präzise Note von feuchtem Labrador, der seit einer halben Stunde vor einem Kaminfeuer liegt.
Mit zwei Tropfen Wasser öffnet er sich dramatisch: Jetzt kommen Omas Nähkästchen, ein frisch gespitzter Bleistift, drei Tage alte Weihnachtsplätzchen und der Geruch eines schottischen Bed & Breakfast kurz nach dem Einschalten der Zentralheizung.
Finish:
Außergewöhnlich lang. Schwarzer Pfeffer, kalter Espresso und ein Hauch Jod, gefolgt von alten Büchern, Fahrradschlauch und einer entfernten Erinnerung an den Werkunterricht 1978. Ganz zum Schluss bleibt eine feine, fast melancholische Note von nassem Hund, Heizöl und einem ungelesenen Abschiedsbrief aus der Stuttgarter Zentralgeriatrie.








